Tag 50 - 1236 Bäume

Heute Morgen begegnet mir endlich auch mal ein Wegweiser, der die Entfernung in meine Richtung angibt. Saint-Jean-Pied-de-Port ist die erste französische Ortschaft jenseits der Pyrenäen, wo der Camino Frances endet bzw. aus Sicht der meisten Pilger natürlich beginnt. 

Kurz darauf verlasse ich die Region Castilla y Leon und betrete die Region Rioja. 

Komisch, hier gibt es auch nur Äcker. Ich hatte eigentlich Weinberge erwartet, aber vielleicht kommen die ja noch. 

Auch Bernoscha meistert den Grenzübertritt... 

Sein Motto:

Die erste Stadt in Rioja ist Santo Domingo de la Calzada. Gegründet wurde der Ort im 11. Jahrhundert vom später heiliggesprochenen Domingo de Viloria. Seine Mission war es, den Pilgern den Weg nach Santiago zu erleichtern, weswegen er an dieser Stelle eine Straße, eine Brücke über den Rio Oja und eine Herberge erbaute.

Auch heute noch führt der Pilgerweg auf der ursprünglich von Domingo de Viloria angelegten, schnurgerade Straße durch die Stadt hindurch. Inzwischen gibt es hier reichlich Herbergen, Supermärkte, Restaurants... Mission erfüllt, könnte man sagen, das Pilgern ist leichter geworden. Selbst Feiertags, nachts, am Wochenende oder während der Siesta bekommt der Pilger alles, was er braucht. Notfalls eben an einem der unzähligen, extra zu diesem Zweck aufgestellten Automaten: heiße und kalte Getränke, Snacks, Deo, Zahnpasta, Blasenpflaster und sogar Hamburger. Ob der heilige Domingo das so gemeint hat? 

Die Kathedrale des Ortes ist riesig und wirkt in der eher kleinstadtischen bis dörflichen Atmosphäre des Städtchens heutzutage fast ein bisschen deplatziert.

Es gibt zwei Besonderheiten: Der Turm steht extra... 

... und im Kirchraum leben Hühner. Ja, tatsächlich! Doch warum? Hintergrund ist eine populäre Heiligenlegende: Im 14 Jahrhundert soll ein Pilger in Santo Domingo unschuldig des Diebstahls bezichtigt und zum Tod durch Erhängen verurteilt worden sein. Nach Vollstreckung des Urteils fanden die trauernden Eltern ihn zwar am Strick hängend aber lebend vor, denn er saß auf den Schultern von Santo Domingo. Als sie dies dem Richter erzählten, aß dieser gerade zu Abend. "Euer Sohn ist so tot wie die zwei Hühner auf meinem Teller", soll er gesagt haben. Woraufhin sich die Hühner flatternd von seinem Teller erhoben und quicklebendig das Weite suchten. 

Die Hühner in dem ziemlich winzigen Käfig in der Kathedrale sind zwar ohne Zweifel quicklebendig, können jedoch leider nicht das Weite suchen. Ich finde an dieser Stelle müsste Tierschutz Vorrang haben vor Heiligenverehrung!

Auch jenseits der Stadt gibt es noch keine Weinberge. Dafür aber ein wunderschönes Nachtlager auf einem Pilgerrastplatz.