Tag 71 - 1782 Bäume

Hm, man könnte meinen, Frankreich bestünde ausschließlich aus regennassen Feld- und Waldwege unter trübem Himmel.

Naja, im Moment ist das tatsächlich ein bisschen so, zumindest was die Reichweite meines Blickfeldes am heutigen Tag angeht. 

Mein Weg führt größtenteils am Fluss Isle entlang, der sich derart aufwendig durch die Landschaft schlängelt, dass ich ihn penetrant oft überqueren muss. 

Manchmal sogar mit einem Hauch von Sonne in der Luft. 

In dem hübschen Städtchen Saint-Astier entdecke ich eine Schautafel über die Gegend, auf der unter anderem erklärt wird, dass dies nach der Cote d'Azur statistisch gesehen die sonnigste Gegend Frankreichs sei.

Na super, ich brauche keine Statistik, ich hätte einfach nur gern eine trockene Jacke, denke ich gerade noch. Da zeigen sich plötzlich ein paar blaue Flecke am Himmel, und kurz darauf bequemt sich die Statistik zu ganzen zehn Sonnenminuten. Toll! Der absolute Tagesrekord! Tja, mit Hilfe von Statistik kann eben so manches wahr werden, was vorher gar nicht da war. 

Vielleicht sollte ich mir auch ein paar wahrscheinlichkeitstheoretische Hilfskonstruktionen basteln, die im Ergebnis dazu führen, dass ich jeden Tag schönes Wetter habe. Doch eigentlich ist das gar nicht nötig, denn manchmal sorgt gerade so ein Wetter wie heute für eine ganz verzauberte Stimmung. Wie zum Beispiel hier an einem Seitenkanal der Isle. 

Ich glaube, ob es draußen schön ist, ist gar keine Frage des Wetters, sondern eine Frage der Sichtweise. Ich setze einfach meine "Herbststimmung gefällt mir" - Brille auf und schon klappt's! 

Ja, tatsächlich! Denn siehe da, abends habe ich sogar etwas blauen Himmel über meinem Zelt.