Tag 250 - 6138 Bäume

Nach einem Spaziergang unter der arktischen Morgensonne erreiche ich nach nur 7 km Enontekiö. 

Für heute habe ich eine kurze Etappe geplant, denn hier gibt es einen Campingplatz. Doch zunächst komme ich am Visitor Centre des Nationalparks vorbei.

Hier endet der 124 km lange von Ylläsjärvi kommende Wanderweg, den ich während der letzten fünf Tage gegangen bin. 

Und es gibt eine interessante Ausstellung über samische Kultur und Lebensweise. Zum Beispiel lerne ich, dass die Sami nicht nur vier, sondern acht Jahreszeiten kennen. Ich erlebe gerade selbst, wie rasant sich die Landschaft mit dem herannahenden Winter verändert und kann sehr gut nachvollziehen, dass vier Jahreszeiten nicht ausreichen, um so rasche Wechsel zu beschreiben. 

Ich denke, das im Moment ist wohl noch Herbst...

... doch der early winter naht, wie mir ganz unmissverständlich auch die Temperaturanzeige über dem Eingang des Supermarktes deutlich macht: 4°C zur Mittagszeit!

Mein Stück Kuchen esse ich lieber im Gehen, zum Rumsitzen ist es echt zu kalt. 

Bevor ich mich auf den Weg zum Campingplatz mache schaue ich mir noch die ganz hübsch hinter Kiefern (wohinter auch sonst, naja Birken kämen noch in Frage) verborgene Kirche an. 

Das Bild über dem Altar zeigt, wie ich finde, sehr schön, dass die Art wie Christentum in unterschiedlichen Regionen gelebt wird immer auch mit der Religion der jeweiligen Urbevölkerung zu tun hat. 

Weiter die Hauptstraße runter stoße ich auf den Campingplatz. Zu dieser Jahreszeit nur noch für Wohnwagen, wird mir dort kurz und bündig mitgeteilt. Hm, wo kriege ich jetzt einen Wohnwagen her? Vielleicht sollte ich mir eine Miniaturvariante in Bernoscha-Format zulegen, die ich bei solchen Gelegenheiten vorzeigen kann. Oder ich gehe dazu über, mein Zelt auf einem Rollbrett hinter mir herzuziehen. Das hätte den Vorteil, dass ich es nicht jeden Tag auf- und abbauen müsste, könnte bei holprig-abschüssigem Gelände und/oder starkem Seitenwind allerdings zu Problemen führen. Ich frage nochmal vorsichtig, ob nicht vielleicht eine Ausnahme... Der Typ schüttelt den Kopf. Okay, so grimmig wie der guckt, werde ich hier wohl nicht übernachten. Ich muss unbedingt die Powerbanks laden und frage, ob ich für ein paar Stunden Strom haben kann, selbstverständlich gegen Bezahlung. Die Antwort ist bloß ein höhnisches Grinsen und dann ein eindeutiges "No". Okay, hier werde ich nichts erreichen, also weg von diesem gastlichen Ort. Ich gehe zurück zum Supermarkt, setze meinen gewinnensten Hundeblick auf und bitte die Kassiererin um ein paar Stunden Lademöglichkeit. Sie lächelt immerhin freundlich, meint aber sie müsse erst ihren Boss fragen. Nach einem kurzen Telefonat schüttelt sie ergeben mit dem Kopf, es täte ihr sehr leid. Das glaube ich ihr sogar. Tja, wer nicht fragt bleibt dumm. Mag sein, aber fragen ist auch nicht immer die beste Lösung. Leider bleibt mir, falls ich irgendwo an eine Steckdose kommen will, nichts anderes übrig als genau das zu tun. Im Visitor Centre, wo ich vorhin schon war, habe ich schließlich Glück. Die wollen noch nicht mal Geld dafür, und ich kann sogar im Warmen warten. Es gibt ein gemütliches Sofa, Coffee endless refill und WLAN. Und am Ende des Tages bekomme ich sogar noch die nicht verkauften Brote aus dem Café mit auf den Weg. Es tut wahnsinnig gut, so freundliche Menschen zu treffen, insbesondere an so einem Tag!

Thank you very much for your great support! You really saved my day! 

Am späten Nachmittag geht's ab auf die Landstraße nach Kautokeino. Dort ist der nächste Campingplatz. 80 km bis zur heißersehnten warmen Dusche. Naja, vor Mittwoch wird das wohl nichts.

10 km schaffe ich noch. Dann wird es einfach zu dunkel und ich baue in einem Birkenwald am Straßenrand mein Zelt auf.

Der Campingplatz kann mich mal. Hier ist es sowieso viel schöner!!!