Tag 257 - 6327 Bäume

So sieht's aus heute morgen rund ums Zelt.

Bernoscha ist wenig begeistert. Und ich muss auch erstmal tief durchatmen. 

Okay, eigentlich kein Wunder. Ich befinde mich um die 600 Meter hoch mitten auf dem Bæskades-Gebirge und zwar auf beinah 70 Grad Nord. Die Temperatur liegt meist unter Null, insbesondere nachts. Naja, und da wird Regen eben zu Schnee. Bernoscha hat für diese Zusammenhänge wenig Verständnis, doch es hilft nichts, wir müssen los. Das erste, einzige und kleinste Schaf, das Europa komplett zu Huf durchquert hat, wird man bzw. schaf nicht, wenn schaf nicht auch bereit ist, ein paar Strapazen auf sich zu nehmen. 

Es dauert nicht lange, bis ich feststelle, dass es absolut keine Strafe ist, durch diese herrliche Winterlandschaft zu stapfen. Und die "urkraft" norwegischer Haferkekse wird mich schon noch bis zum Nordkap tragen. 

Nach dem Motto "Mehr geht immer" schneit es auch gleich noch weiter. Doch selbst das kann ich halbwegs gelassen hinnehmen. Wenn man sämtliche Klamotten an hat, dann ist wenigstens der Rucksack nicht mehr so schwer. Und auch der Pelz in meinem Gesicht ist endlich mal von Nutzen, denn er wärmt ein bisschen. 

Als dann auch noch ein Hundeschlitten vorbeikommt, ist die ohnehin schon grandiose Szenerie endgültig reif für den TUI-Reisekatalog. 

Ja, damit bin ich dann wohl endgültig am äußersten nördlichen Ende Europas angelangt. Unterschiedlicher jedenfalls könnten sich meine ersten und diese fast letzten Schritte hier kaum anfühlen. 

Das beeindruckendste Erlebnis des heutigen Tages allerdings ist der extreme Kontrast zwischen der Welt hier oben in den Bergen und der unten im Tal.

Ganz allmählich, und zugleich selbst im Schritttempo ziemlich plötzlich, geht der Winter wieder in den Herbst über. Hinzu kommt, dass es nicht nur ein Abstieg ins Tal ist, sondern auch einer zur Küste hinunter, was in Norwegen immer auch bedeutet, dass der Einfluss des Golfstroms merklich stärker wird. Sogar grüne Blätter gibt es hier plötzlich wieder. 

Kurz vor der Hafenstadt Alta schlage ich mit herrlichem Blick auf den Altaelva mein Zelt auf. 

Die allabendliche Wärmflasche ist heute ein angenehmer Luxus, keine unverzichtbare Notwendigkeit. Auch jetzt ist es immer noch ein Grad. Eine Nacht im Plus-Bereich, das hätte ich mir heute morgen wirklich nicht träumen lassen.