Tag 41 - 984 Bäume

Ab heute dann also entgegen der Pfeilrichtung. Und damit auch gegen den (Pilger)strom. Auf dem Camino Frances ist sogar zu dieser Jahreszeit schon eine Menge los, und mir kommen reichlich andere Pilger entgegen. Doch niemand läuft in meine Richtung. 

Aber so ganz der erste Rückwärts-Pilger bin ich zum Glück nicht. Und ab und an gibt es auch für mich eine Wegmarkierung. Entweder blaue Pfeile mit Schnecke oder die leider ziemlich kleinen und unscheinbaren Hinweisschilder des Santiago-Rom-Pilgerweges. Bis zu den Pyrenäen ist das ja auch meine Richtung. 

Die ersten Kilometer verlaufen in altbekannter ländlicher Idylle noch recht beschaulich. 

Dann jedoch nähere ich mich dem Dunstkreis der Stadt Leon. Die unmittelbare Umgebung von Großstädten ist selten schön zum Wandern. 

Doch das Stadtzentrum ist duraus sehenswert. Vor allem natürlich der riesige gotische Dom. 

Außerdem macht es Spaß einfach ein wenig durch die hübschen Straßen der Altstadt zu spazieren! 

Auf dem nächsten Bild seht ihr das Hostal de San Marcos. Das war im Mittelalter allen Ernstes die Pilgerherberge. Ist ja nett, dass man mich längs des Camino unbehelligt am Wegesrand Zelten lässt. Doch offenbar gab es Zeiten, in denen man um das Wohl der Pilger noch etwas bemühter war. 

Ach ja, warum heißt Leon eigentlich Leon? Habe ich auch heute gelernt. Hat mit Löwen gar nichts zu tun. Die Stadt war ein römisches Heerlager. Der Name kommt vom Wort Legion, das irgendwann mal sein G verloren hat. Den Löwen tragen sie dennoch im Wappen. Sieht ja auch schöner aus als eine Horde Soldaten. 

Beim Verlassen der Stadt wird mir nochmal klar gemacht, wie warm es heute ist. Ich sollte das unbedingt genießen, denn möglicherweise friere ich jetzt weniger als im August in Lappland.

Frühling mitten im Winter, das gibt's nicht nur in Andalusien. Die grünen Bäume weiter im Süden boten allerdings bessere Verstecke fürs Zelt. Soviel steht fest. 

Für die nächsten zweieinhalb Wochen heißt es erstmal "go east"! Viel weiter nach Norden ginge auch nicht mehr, ohne im Atlantik zu landen. Ich bin derzeit auf 42 Grad Nord und 5 Grad West. Die 43 Grad überschreite ich erst mit dem Aufstieg auf die Pyrenäen. Dann allerdings werde ich bereits auf 1 Grad West sein. Das Nordkap liegt auf 71 Grad Nord und 25 Grad Ost. Meine Tour hat also nicht nur eine Süd-Nord-, sondern auch eine West-Ost-Dimension.